Ein Reiseblogger oder Prominenter inszeniert sich vor einer atemberaubenden Kulisse, etwa unberührter Natur, in einem Boot auf einem spiegelglatten See oder auf einem Felsen vor hunderten von aufsteigenden Heißluftballons. Derartige Fotos werden jeden Tag tausendfach auf der Social Media Plattform Instagram geteilt, sie wirken wie aus einem Magazin, wie aus einer perfekten Welt. Viele Reiseblogger haben Reichweiten von Millionen von Followern, die sich von den Beiträgen inspirieren lassen. Während einige sich in die Traumwelt entführen lassen, planen andere schon die nächste Reise an einen dieser Orte. Doch was passiert mit diesen einst unberührten Oasen, wenn sie Teil des “Insta Travelling”, also dem gezielten Reisen an Orte die auf Instagram geteilt wurden, werden? Wir schauen uns fünf Orte an, die sich seit ihrer Verbreitung auf Instagram verändert haben.

Fjaðrárgljúfur, Island

Im Jahr 2015 filmte der kanadische Sänger Justin Bieber sein Musikvideo zum Lied “I’ll show you” auf Island. Vor den Hintergründen atemberaubender Landschaftszüge, verlassener Flugzeuge, sowie der Fjaðrárgljúfur Schlucht, trällert der Popstar seine Zeilen, nichtsahnend, welche Konsequenzen das Musikvideo für diese Orte haben werden würde. Mehrere Clips und Fotos auf Instagram, die Auszüge aus dem finalen Video zeigen erreichten seine 114 Millionen Follower und das offizielle Video bei Youtube wurde bis heute fast unglaubliche 450 Millionen mal angeschaut. Es dauerte nicht lang, bis die ersten Fans ihre Reise nach Island planten, um Fotos an den Orten machen zu können, an denen kurz zuvor ihr Idol stand.

Island hat schon seit Jahren Probleme mit den Massen an Touristen, die jedes Jahr die mystischen Naturspektakel und besuchen und schwer belasten. An vielen Orten sind deshalb bereits weniger Touristen zugelassen, um die Natur zu schützen und ihr Zeit zur Erholung zu geben. Die Fjaðrárgljúfur Schlucht musste nach dem Ansturm an Touristen im Jahr 2018 vorerst geschlossen werden, da sie seit der Veröffentlichung des Videos von ca. 300.000 Menschen besucht wurde.

Machu Picchu, Peru

Eine der meist geteilten Hintergrundkulissen ist wohl das UNESCO Weltkulturerbe, die von den Inkas erbaute Ruinenstadt Machu Picchu. Sie ist nur über bestimmte Wanderpfade zu erreichen und kann nur mit zugelassenen Tourguides betreten werden.

Die Ruinen leiden unter den Massen an Menschen, die jeden Tag durch sie hindurch laufen und über das Gelände trampeln. Deshalb hat die peruanische Tourismusbehörde bereits versucht die nicht allzu weit vom Machu Picchu entfernte Ruinenstadt Huayna Picchu zu vermarkten, um die Belastung durch die Touristen zu verringern. Doch der Ansturm wuchs weiter und so wurde die tägliche Zulassung zunächst auf 6.000 Touristen beschränkt. In diesem Sommer dürfen Touristen probeweise sich nur drei Stunden in bestimmten Bereichen auf dem Gelände aufhalten.

Lake Elsinore, Kalifornien, Vereinigte Staaten

Jedes Jahr im Frühjahr erblüht der Walker Canyon am Lake Elsinore in Kalifornien in einem goldenen Orange. Bedeckt von Goldmohn erstrahlen ganze Bergzüge durch das Leuchten der Blumen. Leider hat vor allem Instagram dazu beigetragen, die Bekanntheit des vom Blumenmeer bedeckten Canyons zu verbreiten, der bis vor Kurzem von Tausenden Touristen besucht wurde.

Um das perfekte Foto zu inszenieren bewegten sich Touristen abseits der Wanderpfade, um keine anderen Menschen abzulichten und zerstörten so große Flächen des goldenen Blumenmeers. In diesem Frühjahr besuchten nach erstem Erscheinen der Blüten stolze 50.000 Touristen den Canyon und hinterließen eine derartige Szene der Zerstörung, dass der Ort bis auf Weiteres gesperrt wurde.

Santorini, Griechenland

Die griechische Insel Santorini kann sich vor Touristen kaum noch retten. Die weißen Häuser mit ihren blauen Dächern und dem leuchtend blau-türkisen Meer im Hintergrund sind für viele nur für ein Foto eine Reise wert. Jedes Jahr besuchen etwa zwei Millionen Menschen die kleine Insel südöstlich des griechischen Festlands. Doch Santorini ist gar nicht dafür ausgelegt derartige Massen zu empfangen und so leiden vor allem die Straßen darunter und auch das Wasser wird immer knapper.

Um die Touristenmassen etwas einzudämmen dürfen heute jährlich statt 18.000 nur noch 8.000 Kreuzfahrt-Touristen die Insel betreten. Außerdem plant die Insel die gesamte Besucherzahl zu kappen, da die Einheimischen besonders unter der Belastung leiden.

Pig Beach, Bahamas

Am Pig Beach auf den Bahamas kann man gemeinsam mit Schweinen im türkisfarbenen karibischen Meer schwimmen. Du hast richtig gelesen – schwimmende Schweine. Dass sich derartige Fotos im Bikini am Strand mit gefleckten Schweinen schnell verbreiten, überrascht wohl niemanden. Die Schweine haben sich bereits an die Touristen gewöhnt und sind besonders zutraulich geworden. Unter dem Hashtag #pigbeach findet man fast 30.000 Beiträge, auf denen sich Touristen zwischen den Tieren ablichten ließen.

Vor allem von Tierschützern wird der Ansturm kritisiert, denn die Schweine waren einst wild und erste Verhaltensänderungen konnten bereits festgestellt werden. Allerdings wurden bis heute keine Maßnahmen eingeleitet, um sowohl die Tiere, als auch den Strand vor dem Phänomen des “Insta Travelling” zu schützen.

Unser Fazit

“Insta Travelling” ist leider alles andere als nachhaltig. Die Idylle, die einst auf dem Foto eines Reisebloggers oder Prominenten zu sehen war, verändert sich durch den Ansturm von Touristen, deren Ziel es ist, derartige Fotos nachzuahmen, unglaublich schnell und so müssen immer häufiger schützende Maßnahmen eingeleitet werden. Unser Tipp ist, auf vergleichbare, weniger besuchte Orte auszuweichen, um den Touristenmassen, um häufiger besuchte “Insta Travel Spots” zu schonen und nicht zu ihrer Belastung beizutragen.

Auch interessant: Die besten Eco-Tourism Ziele für den Sommer

Hinterlassen Sie eine Antwort