Im Mai 2019 verunglückte ein Flixbus auf der A9 bei Leipzig. Mit 72 Verletzten, darunter 9 schwer, und einem Todesfall, warf der Unfall einige Fragen zu der Sicherheit von Fernbussen auf. So ist der Unfall vom 19. Mai nicht der erste, in den das Unternehmen verwickelt war.

Im August 2018 verunglückte ein Flixbus auf der A19, wobei 6 Menschen schwer und 10 leicht verletzt wurden. Im Dezember 2017 schätze ein Flixbus-Fahrer die Höhe einer Brücke falsch ein und beschädigte das Dach des, glücklicherweise leeren, Fahrzeuges schwer. Viele fragen sich inzwischen zudem, wie gut die Arbeitsbedingungen der Flixbusfahrer sind, denn bei dem neuesten Verkehrsunfall ging die Verkehrspolizei von Sekundenschlaf als Unfallursache aus.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass sich im Jahr 2017 etwa 12% der 1346 Flixbus-Busfahrer nicht an die Lenk- und Ruhezeiten hielten. Verdi erklärt gegenüber der Zeitung außerdem, dass die Dunkelziffer an Unfällen bei Fernbusunternehmen recht hoch ist, denn viele kleinere Unfälle finden in nationalen Nachrichten keine Aufmerksamkeit, sondern bleiben auf Lokalebene, da diese nicht mehr vom Bundesverkehrsministerium erfasst werden. Schlechte Arbeitsbedingungen und Billiglöhne für eine größer werdende Zahl an Arbeitskräften aus Ost- und Südeuropa werden dem Unternehmen vorgeworfen.

Dieses wehrt sich gegen solche Anschuldigungen vehement. Die Sicherheit der Fahrgäste und Fahrer stehe für das Unternehmen an oberster Stelle. Die Einhaltung der Ruhezeiten wird, so Flixbus, mit digitalen Fahrtenschreiber und Satellitendaten überprüft. Die Fahrzeuge seien TÜV Süd kontrolliert und werden regelmäßigen Stichproben unterzogen. Die Busse verfügen zudem über Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat und Aufmerksamkeitsassistent. Ob diese Sicherheitssysteme vom Fahrer jedoch aktiviert werden, so die Süddeutsche Zeitung, ist kaum zu überprüfen. Aber selbst eingeschaltete Sicherheitssysteme können vom Fahrer ignoriert werden.

Sicherheit im Vergleich

Müssen sich Kunden nun um ihre Sicherheit in Fernbussen sorgen? Generell kann man diese Frage mit „nein“ beantworten. Trotz einiger Vorkommnisse sind Fahrten in Fernbussen, also auch im Flixbus, sicher. Um ein Vielfaches gefährlicher ist die Fahrt in einem Personenkraftwagen. Wer dem Busunternehmen nicht vertraut und lieber auf Mitfahrzentralen umsteigt, setzt sich also einem größeren Risiko aus.

Die sichersten Verkehrsmittel sind das Flugzeug und der Zug. Der Bus folgt aber dicht darauf. Das Verletzungsrisiko durch das Mitfahren in einem Auto ist etwa 125-mal höher als in der Bahn. „Das Todesrisiko für Busreisende ist viermal höher als für Bahnreisende, das Verletzungsrisiko im Bus liegt 41-mal über dem der Bahn“, aber noch weit hinter dem der PKWs, so die Welt.

Am sichersten ist statistisch gesehen das Fliegen. Allerdings ist die Verkehrsleistung des Flugzeugs auch deutlich geringer als von Auto, Bus und Bahn, denn dieses ist für die Alltagsmobilität keine Option. Hinzu kommt, dass das Flugzeug in Dingen Nachhaltigkeit die hinteren Ränge belegt.

Nachhaltigkeit im Vergleich

Betrachtet man den Aspekt der Nachhaltigkeit schneiden Fernbusse sehr gut ab. Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass Bus und Bahn die deutlich klimafreundlicheren Alternativen zu Flugzeug und Auto seien. „Wer beispielsweise ein Jahr lang mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto zur Arbeit fährt, kann bei einer Entfernung von 25 Kilometern rund 3.700 Euro und rund 320 Kilogramm CO2 sparen. (Annahme: an 220 Tagen 24 km mit der S-Bahn und zu Fuß statt mit dem Pkw zur Arbeit)“, so das Umweltbundesamt. Etwas besser sieht es mit Mitfahrgelegenheiten aus, denn hier muss nicht ein Pkw pro Person berechnet werden, die monetären und ökologischen Kosten werden durch die entsprechende Personenanzahl pro Auto geteilt. Dennoch schneiden Bahn und Bus in der Regel besser ab.

Betrachtet man nur den CO2- und Luftschadstoffausstoß, ist der Zug für Alltagsrouten das umweltfreundlichste Verkehrsmittel. Im Fernverkehr schneiden Busse sogar besser ab. So schreibt das Umweltbundesamt: „Reisebusse emittieren bei durchschnittlicher Auslastung pro Personenkilometer 30 Gramm CO2, die Bahn im Fernverkehr etwa 40 Gramm – der Pkw verursacht 137 Gramm“. Allerdings wird darauf verwiesen, dass diese Zahlen nicht direkt auf Fernlinienbusse, wie den Flixbus, übertragbar sind, da bei diesen die Auslastung geringer ist und das Alter und die Größe der Busse variiert.

Quelle: Umweltbundesamt

Besonders schlecht für das Klima sind Flugreisen. Das ist nicht nur auf den außerordentlich hohen Ausstoß von CO2 zurückzuführen, sondern auch auf Stickoxide, kleine Rußpartikel und Wasserdampf, welche bei der Verbrennung von Kerosin freigesetzt werden und zusätzlich zur Erwärmung der Atmosphäre beitragen. Auch die Kondensstreifen der Flugzeuge haben Folgen für das Klima.

Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) würden diese nämlich einen Großteil der Sonneneinstrahlung aus dem All passieren lassen, nicht jedoch die Wärmestrahlen, die von der Erdoberfläche zurückgeworfen werden. „Man kann davon ausgehen, dass die Treibhauswirkung dieser “Nicht- CO2-Effekte” des Flugverkehrs insgesamt etwa zwei- bis fünfmal höher ist als die alleinige Wirkung des ausgestoßenen CO2. Von vergleichbaren Zahlen geht der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) aus“, so das BMU.

Eine echte Alternative: der FlixTrain

Einer der wichtigsten Gründe, weshalb die Deutschen auch für Inlandsreisen lieber auf das Flugzeug zurückgreifen, als auf Bus und Bahn, ist der Preis. Anbieter wie Ryanair bieten Kurzstreckenflüge stellenweise schon für einstellige Beträge an. Damit kann die Deutsche Bahn bei weitem nicht mithalten. Fernlinienbusse wie Flixbus sind preislich ein echter Konkurrent für Bahn- und Flugreisen. Einen großen Minuspunkt bekommen Fernlinienbusse jedoch durch den Zeitfaktor. Sie sind meist erheblich länger en Route, auch Stau und Pannen spielen den Busunternehmen nicht in die Karten.

Eine echte Alternative für alle, die günstig und umweltschonend unterwegs sein möchten und dafür nicht stundenlang an die Straße gebunden sein wollen, ist der FlixTrain. Bereits ab 9,99€ können Reisende auf ausgewählten Strecken verkehren. FlixTrain verbindet beispielsweise Berlin und Stuttgart, Hamburg und Köln oder Berlin und Köln. Aussteigen kann man unterwegs beispielsweise in Frankfurt am Main, Hannover oder Düsseldorf.

Abstriche müssen jedoch im Komfort gemacht werden. Die Wagons in einem FlixTrain sind meist veraltet und haben kein Bordrestaurant. Auch die Kundenbewertungen sprechen nicht unbedingt für das Unternehmen. Unfreundlicher oder nicht-vorhandener Kundenservice, überfordertes Personal und viel Verspätung werden hier beklagt. Auch fährt der grüne Zug bei weitem nicht so oft wie die Züge der Deutschen Bahn. Wer jedoch auf Flieger und Bus verzichten möchte und trotzdem kostengünstig Reisen will, für den kommt der FlixTrain sicher hin und wieder in Frage. Da dieser noch recht neu auf dem Markt ist, kann man außerdem annehmen, dass sich das Unternehmen in vielen Punkten noch verbessern wird.

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Unser Fazit

Trotz des jüngsten Unfalls eines Flixbusses sind Fernlinienbusse recht sicher. Auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit schneiden sie gut ab. Dennoch sollte man die Entwicklungen des Unternehmens im Auge behalten, denn Nachhaltigkeit ist nicht gleichzusetzen mit Umweltfreundlichkeit. Auch soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit sollte in Unternehmen eine große Rolle spielen. Schlechte Arbeitsbedingungen und Billiglöhne entsprechen diesen Idealen jedoch nicht. Wer wirklich nur mit Billig-Anbietern unterwegs sein möchte, muss in Kauf nehmen, dass diese an irgendeinem Punkt Abstriche machen müssen. In diesem Sinne sind Nachhaltigkeit und billige Preise nur selten vereinbar.

Am nachhaltigsten und sichersten ist im Schnitt das Reisen mit der Bahn. Hier stellt FlixTrain eine Alternative dar. Die Züge sind sicher und vergleichsweise recht umweltfreundlich. Allerdings müssen hier die Kunden in Kauf nehmen, dass der Reisestandard nicht so hoch ist, wie bei den teureren Konkurrenten.

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