Wir fragten den Geschäftsführer des Hotels Helvetia Sven-Erik Hitzer, was nachhaltigen Tourismus einzigartig macht. Seine Antwort: „Sanfter Tourismus ist die Hinterfragung von Energieflüssen, das Bewusstsein für Verschwendung und die grundsätzliche Entscheidung auf ökologischen Tourismus umzusteigen.“

Herr Hitzer, wie definiert das Bio- und Nationalpark Refugium Schmilka nachhaltigen beziehungsweise sanften Tourismus?

SVEN-ERIK HITZER: Sanfter Tourismus ist für uns, wenn alles wie immer ist, du aber weißt, dass alle bisher bekannten Möglichkeiten genutzt werden, die Umwelt zu schonen. Für uns als Urlaubsrefugium beginnt das bereits mit der Anreise unserer Gäste. Natürlich sind wir konventionell mit dem Auto zu erreichen, allerdings verfügen wir auch über eine eigene S-Bahn-Haltestelle, was es den Menschen ermöglicht aus Richtung Dresden oder Prag ökologischer mit dem Zug anzureisen. Nachhaltiger Tourismus heißt aber auch, dass die Rohstoffe, die während des Urlaubs bei uns verbraucht werden so gering wie möglich sind oder ökologisch produziert werden können. In unserem Fall sind das: Stromerzeugung über Solarenergie, Wärmerückgewinnung aus unserer Bio-Brauerei zur Erhitzung unserer Panoramasauna oder schlichtweg die Nutzung des alten Wasserrades unserer Schmilk’schen Mühle für die Produktion von Mehl für unsere Bio-Bäckerei. Unsere Ausrichtung auf 100% BIO und die damit verbundene EHC-Zertifizierung ermöglichen uns einen transparenten Urlaubsbetrieb und das ist es, was sanften Tourismus wirklich ausmacht – die offene Kommunikation des eigenen Tuns.

Laut der Reiseanalyse 2014 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) im Auftrag des BMUB möchte über ein Drittel der deutschen Bevölkerung sowohl ökologisch als auch sozial nachhaltig verreisen. Wie sehen Ihre Erfahrungen aus der Praxis hierzu aus?

Wir können durchaus einen stetigen Zuwachs in unseren Gästezahlen erkennen, was die Studie auch bestärkt. Das Bio- und Nationalparkhotel Helvetia, was das erste Biohotel Sachsens ist, erfreut sich großer Beliebtheit und zieht Gäste aus ganz Europa an. In Kombination mit unserem Gesamtkonzept in Schmilka sind unsere Gäste bei ihrer Abreise meist so begeistert, dass sie direkt wieder buchen. Wir merken auch verstärkt, dass sich die Urlauber mehr mit den technischen Hintergründen und den Prozessen im Dorf auseinandersetzen und dort auch aktiv bei unseren Mitarbeitern nachfragen.

Was macht sanften Tourismus einzigartig und an wen richtet sich diese Art des Tourismus?

Sanfter Tourismus ist eine runde Sache, hinter der eine Menge Überlegung und Konzept stehen muss. Und genau das ist, was sanften Tourismus so einzigartig und besonders macht – die Hinterfragung von Energieflüssen, das Bewusstsein für Verschwendung und die grundsätzliche Entscheidung auf ökologischen Tourismus umzusteigen.
Diese Art des Urlaubs richtet sich an jeden. Warum auch nicht? Wir leben alle auf dieser Welt und tragen Verantwortung für sie, also sprechen wir mit unseren Konzepten potenziell auch jeden an.

Welche Angebote im Segment „sanfter Tourismus“ gibt es in der Regel? Unterscheidet sich sanfter Tourismus prinzipiell von konventionellem Reisen?

Wie bereits gesagt, gibt es eigentlich keinen Unterschied für den normalen Gast. Wir bieten weiterhin ein Urlaubserlebnis an, allerdings kann er sich bei uns sicher sein, dass wir die Umwelt so wenig wie möglich mit unserem Tun belasten. Der größte Unterschied zwischen konventionellem und sanftem Tourismus liegt im Konzept. Während nachhaltige Betriebe beispielsweise Energierückgewinnung, regionale Erzeuger und BIO-zertifizierte Produkte beachten müssen, sind konventionelle Betriebe hier nicht an Regeln gebunden. Jedoch sehen wir auch ein steigendes ökologisches Angebot auf Lieferantenseite, was uns bessere Entscheidungsmöglichkeiten und schlussendlich auch bessere wirtschaftliche Möglichkeiten bietet. Denn letztendlich müssen auch nachhaltige Betriebe wirtschaftlich arbeiten, wodurch bei höherem Aufwand des Unternehmens auch ein höherer Preis für den Verbraucher entsteht – noch.

Wie schätzen Sie die Entwicklung in diesem Bereich ein. Wird es zukünftig mehr Menschen geben, die auf Nachhaltigkeit bei ihrer Reise Wert legen und was sind hierbei die Kriterien?

Wie die steigenden Belegungszahlen der Ferienwohnungen, Ferienhäuser, Pensionen und Hotels in unserem Refugium schon zeigen, ist nachhaltiger Tourismus ein Wachstumsmarkt. Langfristig werden wir alle gezwungen sein, mehr auf unsere Umwelt zu achten, um Klimawandel und allgemeiner Erderwärmung entgegenzuwirken. Jedoch ist es nicht nur der hinterlassene CO²-Fußabdruck, der die Gäste interessiert, vor allem auf Regionalität wird Wert gelegt.

Damit nachhaltiger Tourismus möglich ist, müssen Rahmenbedingungen geschaffen sein. Welche sind das und wo besteht noch Nachholbedarf, vielleicht auch seitens der Politik?

Es geht vor allem um ein Bewusstsein. Anbieterseitig müssen die Betriebe, gerade regional, mehr zusammenarbeiten und gemeinsam auf ökologische Methoden umstellen. So verringert sich auch das Risiko für den Einzelnen. Nachfragerseitig müssen die Gäste aber auch bereit sein, dieses Engagement zu honorieren und ihr Reiseverhalten, beispielsweise auf die Anreise mit Bahn, umzustellen.

Das ganze Interview mit dem Bio-Hotel Helvetia lesen Sie auf LifeVERDE.

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